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STANDPUNKT

Leistung muss sich wieder lohnen

Ein Beitrag von Rainer Laborenz, geschäftsführender Gesellschafter bei Azemos in Deutschland.


„Leistung muss sich wieder lohnen“. Mit diesem Slogan forderte Helmut Kohl 1982 in wirtschaftlich schweren Zeiten eine Rückbesinnung auf Fleiß und Leistungsbereitschaft, um den Wohlstand zu sichern. Auch aktuell ist Deutschland in einer dramatischen wirtschaftlichen Lage. Nach dem Arbeits- marktwunder der Jahre 2005 bis 2019 stehen die Zeichen seit 2022 auf Rezession. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mit über 3 Millionen auf dem höchsten Stand seit 12 Jahren. Wir verlieren zusehends unsere wirtschaftliche Basis, und alle 21 Minuten meldet ein deutsches Unternehmen Insolvenz an.

Seit Jahren zehrt unser Land von dem Wohlstands-Puffer, der in den Wirtschaftswunder-Jahren erarbeitet wurde. Das Klischee erfüllt sich: die Menschen, die den Wohlstand nicht selbst erarbeitet, sondern geerbt haben,verstehen häufi g marktwirtschaftliche Zusammenhänge nicht mehr und fallen in ein Anspruchsdenken, in dessen Folge die soziale Hängematte immer komfortabler wird und dem Staat eine sozialistisch anmutende Vollkasko-Versorgerrolle zukommt.

Nun sind auf einmal (nicht ohne politische Mitschuld) die fetten Jahre vorbei. Die Wirtschaft schrumpft, und plötzlich fällt auf, dass wir als Gesellschaft über unsere Verhältnisse leben, dass zu lange über Nischenthemen diskutiert und notwendige Reformen sträflich vernachlässigt wurden. 

Seit Jahren werden Probleme nicht mehr gelöst, sondern mit der Gelddruckpresse, also immer neuen Schulden in die Zukunft verschoben, und damit letztlich auf lange Sicht nur verschlimmert.

Man hat den Eindruck, dass Politiker nicht mehr in Dekaden oder Generationen denken, sondern nur noch in Legislaturperioden. Es scheint mehr um die Wiederwahl, um Machterhalt zu gehen als um die Zukunft Deutschlands. Genau in dieses Muster passen auch die aktuellen politischen Debatten. Wieder einmal traut sich kein Amtsträger, den Menschen ehrlich zu sagen, dass wir es uns in den fetten Jahren zu bequem gemacht haben.

Von allen 66 OECD-Ländern hat Deutschland mit 1.331 Stunden die niedrigste Jahresarbeitszeit, aber gleichzeitig die meisten Krankheitstage und die höchsten Arbeitskosten in der Gruppe der G7. Zu groß ist die Angst, die dringend notwendigen Reformen könnten Wählerstimmen kosten. Der aufgetürmte Schuldenberg und die daraus resultierende Zinslast ist objektiv bereits zu hoch, weshalb nun parallel auch andere Geldquellen erschlossen werden sollen, um die Symptome zu lindern. Wo kann man als Staat zugreifen, ohne dass es zu viele Wählerstimmen kostet? Richtig, bei „den Reichen“. Die Umverteilungsdebatte läuft gerade richtig heiß und man kann täglich von Ideen lesen, die Löcher in der Staatskasse zu füllen mit auf die „Reichen“ zugeschnittenen Attacken bei Erbschaftssteuer, Spitzensteuersatz oder Vermögenssteuer. Dabei sind es doch schon bisher gerade diese Menschen, Ärztinnen, Ingenieure, Architektinnen, Unternehmer, Facharbeiter, Investorinnen und Selbständige, die mit ihrer Arbeit unser Gemeinwesen überhaupt erst finanzieren. Genau diese Leistungsträger, die bisher ohnehin schon den größten Teil des Steueraufkommens erwirtschaften, die Wertschöpfung organisieren, Arbeitsplätze schaffen und Risiken übernehmen, sollen nun noch höhere Lasten tragen.

Viele Länder umwerben genau diese Zielgruppe, aber in Deutschland wird ihnen politisch nicht der rote Teppich ausgerollt, sondern – ganz im Gegenteil – gelten erfolgreiche Menschen erstmal moralisch als verdächtig, und die einschlägigen politischen Lager profilieren sich mittels einer geschürten Neidkultur, die auf die wahren Leitungsträger abzielt.

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Steuer- und Abgabenkeile:
Wenn fast die Hälfte des Lohnes den Staat ernährt

Nach den jüngsten OECD-Daten liegt der sogenannte Steuer und Abgabenkeil – also der Anteil an Steuern – und Sozialabgaben, der zwischen Arbeitskosten und Nettolohn steht – in Deutschland bei rund 48 %. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 35 %. Wer in Deutschland 100 Euro Lohnkosten verursacht, bekommt als Arbeitnehmer am Ende also nur etwas mehr als 50 Euro. Diese Lücke – der Keil – ist hierzulande einer der größten der Welt. Dazu kommen hohe Arbeitskosten, die in der deutschen Industrie 2025 mit rund 48 Euro pro Stunde deutlich über dem EU-Durchschnitt von 37 Euro lagen.

Hohe Löhne wären kein Problem, wenn sie Ausdruck außergewöhnlicher Produktivität wären. Das Problem ist die Kombination aus hohen Löhnen, hohen Abgaben und einer Verwaltung, die langsam, kompliziert und digital rückständig ist.

Statt zu überlegen, wie man den Steuerkeil verkleinert und Arbeit attraktiver macht, laufen in der politischen Debatte Begriffe wie Reichensteuer oder Vermögensabgabe in Dauerschleife. Das ist bei Nichtbetroffenen populär (Stichwort „Neidgesellschaft“), faktisch jedoch brandgefährlich. Jene, die hohe Einkommen erzielen, arbeiten doch längst nicht nur für sich. Sie finanzieren mit ihrer Produktivität die sozialen Sicherungssysteme, die Infrastruktur und die Renten. Wer gut verdient, kann und soll auch Steuern zahlen. Ganz klar. Aber das Ganze hat bereits eine Unwucht bekommen, und schon jetzt verteilt sich die Last auf zu wenige Schultern. Wer ein hohes Einkommen hat, zahlt in aller Regel auch einen hohen Preis dafür, opfert Freizeit und Privatleben, hat für Ausbildung und Studium jahrelang auf Wohlstand verzichtet und für seine Karriere vermutlich viel gearbeitet. Als Dank dafür soll er immer mehr abgeben an ein System, das objektiv nicht mit Geld umgehen kann.

Leistung muss sich wieder lohnen: Wenn mehr Netto vom Brutto übrigbliebe, wäre auch das Lohnabstandsgebot, also der Vorteil zu arbeiten gegenüber dem Sozialleistungsbezug wieder intakt. Außerdem würde weniger schwarz gearbeitet und die positiven Effekte für Steueraufkommen und Sozialbeiträge wären enorm. Aktuelle Schätzungen des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen gehen davon aus, dass der (zuletzt dramatisch steigende!) Umfang der Schwarzarbeit 2026 bei rund 538 Milliarden Euro liegen wird, was bedeutet, dass dem Staat damit rund 150 Mrd. Euro jährlich an Steuern und Sozialabgaben verlorengehen. Kein Wunder, dass die Arbeitsmoral landauf, landab beklagt wird: Selbst junge Menschen mit gutem Gehalt können sich heute oft kein Haus mehr leisten. Der Staat nimmt denen, die etwas leisten, immer mehr durch Steuern und Abgaben weg.

Wer diese Menschen durch immer neue Belastungen aus dem Land drängt, sägt an dem Ast, auf dem alle sitzen. Im vergangenen Jahr sind rund 295.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert – erneut 9 % mehr als im Vorjahr und erneut überwiegend hoch qualifizierte junge Menschen. Die größte Gruppe der 2025 ausgewanderten Menschen sind nach Alter ausgerechnet die dringend benötigten 20- bis 39-jährigen, nach Qualifikation sind es zu rund 40 % Menschen mit akademischem Abschluss.

Der Exodus der Leistungsträger und der demografische Stresstest

Das Basisversprechen unseres marktwirtschaftlichen Systems war stets, dass es der nächsten Generation jeweils besser geht als der vorhergehenden.Der Glaube daran ist offensichtlich verlorengegangen. Der Deutsche Hochschulverband berichtet auf seiner Plattform „Forschung und Lehre“ von der aktuellen Trendststudie „Jugend in Deutschland 2026“. Demnach sind 41 % der repräsentativ befragten 14- bis 29-jährigen so unzufrieden mit den Zukunftsaussichten in Deutschland, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, auszuwandern. Mit 21 % plant bereits jeder fünfte junge Mensch ganz konkret, das Land zu verlassen.

Gerade Startups und Tech-Talente zieht es dorthin, wo es eine bessere Balance zwischen Regulierung, Chancen und Lasten gibt. Wenn kluge Köpfe ihre Ideen und ihr Kapital in Länder bringen, die ihnen freundlichere Bedingungen bieten, ist das kein „Vaterlandsverrat“, sondern eine rationale und nachvollziehbare Entscheidung.

Das unendliche Wuchern des Staatsapparats

Die Steuereinnahmen erreichen immer neue Rekordstände. Wer wissen will, wohin die immensen Steuerreinnahmen fließen, der muss sich nur den deutschen Staatsapparat anschauen. Allein der Bund beschäftigt (Stand 12/2025) rund 527.000 Menschen, davon fast 350.000 Beamte. Die reinen Personalkosten steigen im kommenden Jahr auf rund 9,5 % des Bundeshaushalts, also etwa 50 Mrd. Euro. Die Bundesverwaltung wird seit Jahren größer, obwohl die Bevölkerung nicht wächst und der technische Fortschritt (Digitalisierung) eigentlich – wie in anderen Ländern – hohe Effizienzgewinne und damit Personaleinsparung in der Verwaltung mit sich bringen sollte.

Parallel dazu nimmt die Schuldenlast zu. Zwar erlaubt die verfassungsrechtliche Schuldenbremse nur eine geringe Neuverschuldung, doch mit sogenannten „Sondervermögen“ wird das massiv aufgeweicht. Diese wiederum sorgen mit immer neuen Kommissionen – zunächst für die Verwendungsplanung, dann für die Aufklärung der Zweckentfremdung – für weiteres Wachstum des Beamtenapparats. Schulden machen ist der bequemste Weg, um unangenehme Entscheidungen zu vertagen. Doch die daraus resultierende immer höhere Zinslast schränkt den Handlungsspielraum der Politik zusehends ein. Während die Zinsausgaben 2022 noch 3,2 % des Bundeshaushalts ausmachten, wird dieser Wert 2029 bei voraussichtlich über 11 % liegen.

Das zeigt, wie gefährlich die Schuldenblase ist. Wenn die Zinsen aufgrund aktuell steigender Inflation erneut anziehen, wird immer mehr Geld für Bildung, Infrastruktur und innere Sicherheit fehlen.

Die perfide Last der Bürokratie: Eine schleichende Sondersteuer

Bürokratie ist nicht bloß lästig. Sie wirkt wie eine zusätzliche Steuer auf Fleiß, Initiative und Unternehmertum. Das ifo-Institut schätzt, dass die jährliche entgangene Wirtschaftsleistung durch überbordende Bürokratie bis zu 146 Milliarden Euro beträgt. Hinzu kommen 96 Milliarden Euro Potenzial, das verschenkt wird, weil die Digitalisierung der Verwaltung nicht vorankommt. Wer in Deutschland eine Firma gründet, eine Immobilie baut, ein neues Produkt auf den Markt bringt oder einfach nur ein Auto anmeldet, erlebt das oft hautnah.

Unternehmer spüren das unmittelbar: Die Vorschriftenflut wächst, und mit ihr werden in deutschen Unternehmen notgedrungen auch die Verwaltungs- und Stabsabteilungen immer größer. Im Mai 2024 waren allein auf Bundesebene 1.797 Gesetze mit 52.401 Einzelnormen sowie 2.866 Rechtsverordnungen mit 44.475 Einzelnormen gültig. Hinzu kommen Regelungen der Bundesländer, Kommunen und völkerrechtliche Vereinbarungen. Zusätzlich hatte die EU 2011 schon etwa 32.000 Rechtsakte. Trotz aller Versprechungen um Bürokratieabbau stellte die EU 2025 mit 1.456 neuen Rechtsakten wieder einmal einen neuen Rekord auf.

Ein Blick nach Skandinavien ist dabei aufschlussreich: Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind zwar viele Abläufe dort ähnlich bürokratisch wie in Deutschland gestaltet, die Wirtschaft wird dort aber viel weniger eingeschränkt. Der Grund: Die Verwaltung ist dort besser digitalisiert und sieht sich vor allem als Partner und Dienstleister der Bürger und Unternehmen. So besorgt sich die Verwaltung dort selbst viele Unterlagen von anderen Behörden und setzt viele neue Vorschriften selbst um. Der Staat als Partner und Ermöglicher von unternehmerischem Handeln – genau da müssten wir in Deutschland hin. Der Mittelstand reagiert auf die deutsche Bürokratie, indem er weiter investiert – aber eben außerhalb Deutschlands. Laut KfW sank die Zahl der deutschen mittelständischen Betriebe mit Auslandsaktivitäten von 880 000 im Jahr 2022 auf aktuell nur noch rund 600.000. Nicht etwa weil sie ihre Auslandsexpansion aufgeben, sondern weil sie sich mit dem Hauptstandort aus Deutschland zurückziehen, um nicht im Bürokratiewust zu ersticken.

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Investitionserosion und die stille Deindustrialisierung

Schuldenfinanzierte öffentliche Investitionen verschleiern das Ausmaß der wegbrechenden privaten Investitionen und täuschen ein stabiles Bruttoinlandsprodukt – und damit eine vergleichsweise moderate Verschuldung – vor. Neben der Bürokratie drückt die Investitionsschwäche. Der Blick auf den DAX und die Börse trügt hier: Der DAX hat im Mai zwar neue Höchststände gefeiert, der Grund dafür lag aber nicht in Deutschland, sondern im Ausland.Dort, wo die deutschen Unternehmen 80 Prozent ihrer Umsätze erzielen und seit Jahren massiv investieren. Deutschland erlebt währenddessen eine schleichende Deindustrialisierung, was sich auch in der negativen Nettoinvestitionsrate als verstärkendes Warnsignal für die nächsten Jahre ablesen lässt. Parallel steigen Zahl und Dynamik der Unternehmenspleiten. 2025 gab es mehr als 24.000 Insolvenzanmeldungen – ein Plus von 10,3 % gegenüber dem Vorjahr. Das sind im Schnitt rund 68 Unternehmen pro Tag, also etwa alle 21 Minuten ein Insolvenzfall. Die Lage ist beileibe kein deutsches Einzelphänomen.

Die ganze Welt sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 320 Billionen Dollar, also dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung. Staat, Unternehmen und private Haushalte haben in den Nullzinsjahren die Einladung zum Schuldenmachen dankbar angenommen und ächzen jetzt, mit steigenden Zinsen, unter der Last des Schuldendienstes. Dieses Geld fehlt für Forschung und die Zukunftsinvestitionen.

Die Vereinigten Staaten, Japan und auch China werden schon jetzt durch die Zinslast erheblich in ihren Spielräumen eingeschränkt.


Blick über den Tellerrand: Lehren aus dem Ausland

Es gibt Beispiele dafür, dass ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel möglich ist. Argentinien war zu Beginn des 20. Jahrhunderts reicher als Deutschland und Frankreich; hundert Jahre Misswirtschaft, Sozialismus und Korruption führten zur Deindustrialisierung und Inflation von über 200 %. Der 2023 gewählte Präsident Javier Milei leitete eine radikale Kehrtwende ein: Kürzung von Subventionen, Abbau der Staatsquote, Privatisierung, Deregulierung. In kurzer Zeit ging die Inflation stark zurück, und die öffentlichen Finanzen stabilisierten sich. Natürlich lässt sich Argentinien nicht eins zu eins mit Deutschland vergleichen. Aber es zeigt, dass entschlossene Reformen schnell wirken können.

Auch europäische Beispiele geben Hoffnung. Irland führte in den 1980er Jahren bei einer Staatsquote von über 50 % einschneidende Sparprogramme und Steuerreformen ein. Heute liegt die Körperschaftsteuer bei 12,5 %; Irland lockt Tech-Konzerne an, weist ein hohes Pro-Kopf-Einkommen auf und investiert massiv in Bildung und Forschung. Die baltischen Staaten liberalisierten nach der Wende ihre Wirtschaft und digitalisierten konsequent die Verwaltung – heute gehören sie zu den agilsten Standorten Europas.

Agenda 2030

Deutschland braucht endlich Klarheit, damit sich die Menschen, allen voran die Leistungsträger und Investoren, wieder auf ihre Stärken besinnen, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und entsprechend handeln. Unser Land hat herausragende Unternehmen: Deutschland ist im Maschinenbau, in der Chemie, im Fahrzeugbau und in vielen industriellen Nischen immer noch sehr gut.

Unser Mittelstand ist immer noch flexibel und schlagkräftig und im Vergleich wesentlich standorttreuer als Großkonzerne. Die Anzahl deutscher Patentanmeldungen ist im Jahr 2024 um 4 % gestiegen; Deutschland liegt damit weltweit auf Platz 5. Über tausend sogenannte „Hidden Champions“ – mittelständische Unternehmen, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind – stehen für Innovationskraft. Unsere Hochschulen bilden exzellente Fachkräfte aus; die deutsche Forschungslandschaft ist leistungsfähig. Dieses Potenzial zu entfalten, erfordert jedoch weniger Regulatorik und Bürokratie, stabile Energiepreise, international wettbewerbsfähige Lohnnebenkosten und eine Steuerpolitik, die Arbeit und Unternehmertum belohnt. Es braucht so etwas wie eine Agenda 2030 für mehr Leistung, Eigenverantwortung und marktwirtschaftliche Ordnung. Eine soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards, die Freiheit mit Verantwortung verbindet, ist kein Anachronismus, sondern ein dringend benötigtes Gegenmodell zum aktuellen dirigistischen Zeitgeist.


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Verantwortung statt Resignation

Unsere Großeltern bauten dieses Land nach 1945 aus Trümmern wieder auf. Sie gründeten Betriebe, setzten auf Wettbewerb und Fleiß, vertrauten auf die Soziale Marktwirtschaft und auf Rechtsstaatlichkeit. Innerhalb von zwei Jahrzehnten entstand aus Ruinen ein Wirtschaftswunder. Dieser Erfolg war kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen: Freiheit vor Planung, Eigeninitiative vor staatlicher Allokation, Ermutigung der Leistungsträger und Verantwortung der Starken für die Schwachen.

Freie Fahrt für Unternehmen war angesagt. Der Staat hielt sich zurück. Unternehmen schufen gut bezahlte Jobs, und das deutsche Wirtschaftswunder nahm Fahrt auf – und mit ihm Hoffnung, Wohlstand und das Vertrauen in unsere Demokratie.

Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen: Digitalisierung und künstliche Intelligenz, geopolitische Konflikte und das Ende der PAX Americana, demografischer Wandel und kollabierende Sozialsysteme. All das erfordert Anpassungsfähigkeit – also die Bereitschaft zu Reformen, die der Staat idealerweise schon seit Jahren hätte moderieren sollen. Viele kleine und rechtzeitige Weichenstellungen wurden von der Politik versäumt, weshalb nun ein scharfes Umlenken notwendig ist, wenn wir die Kurve noch kriegen wollen.

Das ist eine Herkules-Aufgabe, die nach einer konzertierten Aktion über Parteigrenzen hinweg ruft und im Rahmen derer der Blick der Politik über den nächsten Wahltermin hinausreichen muss. Es geht um nicht weniger als um die Zukunft unseres Landes. Jahrelange Reformverweigerung hat uns dahin geführt, wo wir stehen.Mit immer neuen Schulden wurde sichergestellt, dass die Probleme bloß nicht bei der jeweils eigenen Wählerklientel ankommen und man die Bürger nicht mit der harten Wahrheit konfrontieren muss, dass der Gürtel kein weiteres Loch mehr hat. Auch jetzt dreht sich die öffentliche Debatte nicht ums „Sparen“, sondern es braucht für den bequemen Weg des geringsten Widerstands immer neue und höhere Steuern und Abgaben. Zu lange schon wird bei der sozialen Marktwirtschaft nur der Sozialaspekt betont und marktwirtschaftliche Zusammenhänge sind offenbar in Vergessenheit geraten. Nur so ist es zu erklären, dass beim Wunschkonzert der Steuererhöhungen wieder einmal die Leistungsträger und (erfolg) Reichen ins Visier genommen werden.

Es ist höchste Zeit, die Debatte wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Nicht die Leistungsträger müssen sich vor diesem Staat rechtfertigen – sondern der Staat vor denen, die ihn tragen. Ich wünsche mir Politiker, die uns die Wahrheit zumuten, die Ärmel hochkrempeln, mit Ausgabendisziplin und Rückbau des ausgeuferten Staatsapparats mit gutem Beispiel vorangehen und die Bürger so mitnehmen auf dem notwendigen Weg der Reformen. Es braucht Ermutigung und vielleicht auch Anleitung, damit alle Bevölkerungsschichten beginnen, Mitverantwortung zu übernehmen und Lösungen zu entwickeln.

Stellen wir uns vor, es gäbe Steuerentlastungen und wir könnten mit dem Überschuss mehr konsumieren, investieren und so die Wirtschaft ankurbeln. Stellen wir uns vor, das Lohnabstandsgebot würde wieder beachtet, es gäbe klare Anreize, nicht zuhause zu bleiben, sondern Arbeiten zu gehen, nicht schwarz zu arbeiten, sondern offiziell. Das würde riesige Spielräume eröffnen für eine weitere Entlastung der Bürger. Stellen wir uns vor, man würde Bürokratie abbauen, die digitale Verwaltung ausrollen, den Beamtenapparat verschlanken und so hohe Milliardenbeträge bei den Staatsausgaben einsparen. Stellen wir uns vor, es gäbe beim Wohnungsbau ein paar hundert Verordnungen und Auflagen weniger, was zur Folge hätte, dass sich Normalverdiener wieder eine Immobilie leisten können und Mieten bezahlbar bleiben.

Stellen wir uns vor, es gäbe in unserem Land finanzielle Bildung als Teil des Lehrplans und auch auf Staats- und Behördenebene würde Kapitalmarktwissen bei relevanten Entscheidungsträgern vorausgesetzt. Die Aktionärsquote von aktuell unter 20 % würde sicherlich deutlich ansteigen, und wir würden vielleicht sogar sukzessive in den Sozialsystemen den Wandel vom Umlage- zu einem effektiven Deckungsstockverfahren nach dem Vorbild des norwegischen Staatsfonds schaffen. Bürger und Staat würden so vom langfristigen globalen Produktivitätswachstum und von der Vermögensinflation profitieren. Stellen wir uns vor, der Staat würde mit den Steuereinnahmen klug haushalten und statt Löcher zu stopfen endlich effektiv in Bildung, Infrastruktur oder funktionierende Innere Sicherheit investieren, dann würde es vermutlich jedem leichter fallen, seine Steuern zu bezahlen.

Stellen wir uns vor, die Politik würde mit beschleunigten Genehmigungsverfahren, mit Energiepreisen wie in unseren Nachbarländern und wettbewerbsfähigen Steuer-/Sozialabgaben die Rahmenbedingungen schaffen, dass die Wirtschaft wieder wächst, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und das Versprechen „Wohlstand für alle“ wieder Gültigkeit erlangt. Zugegeben, die finanzielle und wirtschaftliche Situation in unserem Land ist verfahren und es braucht schier ein Wunder, der drohenden Abwärtsspirale zu entkommen. Aber hatten wir das nicht schon einmal? Stellen wir uns vor, Deutschland würde sich auf frühere Tugenden rückbesinnen und die bewährten Mechanismen der (sozialen!) Marktwirtschaft als Lösung der wirtschaftlichen Probleme begreifen: Die Produktivität würde steigen, der Wirtschaftsstandort wieder glänzen, es würde allen besser gehen – und der Staat hätte trotzdem genug Mittel, um die Schwächsten zu schützen.

Wären das alles nicht Zutaten für ein zweites deutsches Wirtschaftswunder?


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Rainer Laborenz 


Geschäftsführender Gesellschafter


Rainer Laborenz ist Geschäftsführer und Gesellschafter. Nach dem BWL-Studium war er mehr als 10 Jahre lang bei einer deutschen Großbank für die Betreuung der vermögenden Privatkunden zuständig, bevor er seit 2003 mit dem Aufbau der heutigen azemos vermögensmanagement gmbh den entscheidenden Schritt in die bankenunabhängige Vermögensverwaltung gemacht hat. Rainer Laborenz verfügt damit über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung im Private Banking und zeigt auch privat als Ehemann und Vater von 6 Kindern, welche Werte ihm wichtig sind. Diese Kombination aus Unternehmertum, Expertise und Bodenständigkeit prägt unser ganzes Unternehmen – und davon profitieren nachweislich auch unsere Kunden.

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