Nach den jüngsten OECD-Daten liegt der sogenannte Steuer und Abgabenkeil – also der Anteil an Steuern – und Sozialabgaben, der zwischen Arbeitskosten und Nettolohn steht – in Deutschland bei rund 48 %. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 35 %. Wer in Deutschland 100 Euro Lohnkosten verursacht, bekommt als Arbeitnehmer am Ende also nur etwas mehr als 50 Euro. Diese Lücke – der Keil – ist hierzulande einer der größten der Welt. Dazu kommen hohe Arbeitskosten, die in der deutschen Industrie 2025 mit rund 48 Euro pro Stunde deutlich über dem EU-Durchschnitt von 37 Euro lagen.
Hohe Löhne wären kein Problem, wenn sie Ausdruck außergewöhnlicher Produktivität wären. Das Problem ist die Kombination aus hohen Löhnen, hohen Abgaben und einer Verwaltung, die langsam, kompliziert und digital rückständig ist.
Statt zu überlegen, wie man den Steuerkeil verkleinert und Arbeit attraktiver macht, laufen in der politischen Debatte Begriffe wie Reichensteuer oder Vermögensabgabe in Dauerschleife. Das ist bei Nichtbetroffenen populär (Stichwort „Neidgesellschaft“), faktisch jedoch brandgefährlich. Jene, die hohe Einkommen erzielen, arbeiten doch längst nicht nur für sich. Sie finanzieren mit ihrer Produktivität die sozialen Sicherungssysteme, die Infrastruktur und die Renten. Wer gut verdient, kann und soll auch Steuern zahlen. Ganz klar. Aber das Ganze hat bereits eine Unwucht bekommen, und schon jetzt verteilt sich die Last auf zu wenige Schultern. Wer ein hohes Einkommen hat, zahlt in aller Regel auch einen hohen Preis dafür, opfert Freizeit und Privatleben, hat für Ausbildung und Studium jahrelang auf Wohlstand verzichtet und für seine Karriere vermutlich viel gearbeitet. Als Dank dafür soll er immer mehr abgeben an ein System, das objektiv nicht mit Geld umgehen kann.
Leistung muss sich wieder lohnen: Wenn mehr Netto vom Brutto übrigbliebe, wäre auch das Lohnabstandsgebot, also der Vorteil zu arbeiten gegenüber dem Sozialleistungsbezug wieder intakt. Außerdem würde weniger schwarz gearbeitet und die positiven Effekte für Steueraufkommen und Sozialbeiträge wären enorm. Aktuelle Schätzungen des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen gehen davon aus, dass der (zuletzt dramatisch steigende!) Umfang der Schwarzarbeit 2026 bei rund 538 Milliarden Euro liegen wird, was bedeutet, dass dem Staat damit rund 150 Mrd. Euro jährlich an Steuern und Sozialabgaben verlorengehen. Kein Wunder, dass die Arbeitsmoral landauf, landab beklagt wird: Selbst junge Menschen mit gutem Gehalt können sich heute oft kein Haus mehr leisten. Der Staat nimmt denen, die etwas leisten, immer mehr durch Steuern und Abgaben weg.
Wer diese Menschen durch immer neue Belastungen aus dem Land drängt, sägt an dem Ast, auf dem alle sitzen. Im vergangenen Jahr sind rund 295.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert – erneut 9 % mehr als im Vorjahr und erneut überwiegend hoch qualifizierte junge Menschen. Die größte Gruppe der 2025 ausgewanderten Menschen sind nach Alter ausgerechnet die dringend benötigten 20- bis 39-jährigen, nach Qualifikation sind es zu rund 40 % Menschen mit akademischem Abschluss.
Der Exodus der Leistungsträger und der demografische Stresstest
Das Basisversprechen unseres marktwirtschaftlichen Systems war stets, dass es der nächsten Generation jeweils besser geht als der vorhergehenden.Der Glaube daran ist offensichtlich verlorengegangen. Der Deutsche Hochschulverband berichtet auf seiner Plattform „Forschung und Lehre“ von der aktuellen Trendststudie „Jugend in Deutschland 2026“. Demnach sind 41 % der repräsentativ befragten 14- bis 29-jährigen so unzufrieden mit den Zukunftsaussichten in Deutschland, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, auszuwandern. Mit 21 % plant bereits jeder fünfte junge Mensch ganz konkret, das Land zu verlassen.
Gerade Startups und Tech-Talente zieht es dorthin, wo es eine bessere Balance zwischen Regulierung, Chancen und Lasten gibt. Wenn kluge Köpfe ihre Ideen und ihr Kapital in Länder bringen, die ihnen freundlichere Bedingungen bieten, ist das kein „Vaterlandsverrat“, sondern eine rationale und nachvollziehbare Entscheidung.
Das unendliche Wuchern des Staatsapparats
Die Steuereinnahmen erreichen immer neue Rekordstände. Wer wissen will, wohin die immensen Steuerreinnahmen fließen, der muss sich nur den deutschen Staatsapparat anschauen. Allein der Bund beschäftigt (Stand 12/2025) rund 527.000 Menschen, davon fast 350.000 Beamte. Die reinen Personalkosten steigen im kommenden Jahr auf rund 9,5 % des Bundeshaushalts, also etwa 50 Mrd. Euro. Die Bundesverwaltung wird seit Jahren größer, obwohl die Bevölkerung nicht wächst und der technische Fortschritt (Digitalisierung) eigentlich – wie in anderen Ländern – hohe Effizienzgewinne und damit Personaleinsparung in der Verwaltung mit sich bringen sollte.
Parallel dazu nimmt die Schuldenlast zu. Zwar erlaubt die verfassungsrechtliche Schuldenbremse nur eine geringe Neuverschuldung, doch mit sogenannten „Sondervermögen“ wird das massiv aufgeweicht. Diese wiederum sorgen mit immer neuen Kommissionen – zunächst für die Verwendungsplanung, dann für die Aufklärung der Zweckentfremdung – für weiteres Wachstum des Beamtenapparats. Schulden machen ist der bequemste Weg, um unangenehme Entscheidungen zu vertagen. Doch die daraus resultierende immer höhere Zinslast schränkt den Handlungsspielraum der Politik zusehends ein. Während die Zinsausgaben 2022 noch 3,2 % des Bundeshaushalts ausmachten, wird dieser Wert 2029 bei voraussichtlich über 11 % liegen.
Das zeigt, wie gefährlich die Schuldenblase ist. Wenn die Zinsen aufgrund aktuell steigender Inflation erneut anziehen, wird immer mehr Geld für Bildung, Infrastruktur und innere Sicherheit fehlen.
Die perfide Last der Bürokratie: Eine schleichende Sondersteuer
Bürokratie ist nicht bloß lästig. Sie wirkt wie eine zusätzliche Steuer auf Fleiß, Initiative und Unternehmertum. Das ifo-Institut schätzt, dass die jährliche entgangene Wirtschaftsleistung durch überbordende Bürokratie bis zu 146 Milliarden Euro beträgt. Hinzu kommen 96 Milliarden Euro Potenzial, das verschenkt wird, weil die Digitalisierung der Verwaltung nicht vorankommt. Wer in Deutschland eine Firma gründet, eine Immobilie baut, ein neues Produkt auf den Markt bringt oder einfach nur ein Auto anmeldet, erlebt das oft hautnah.
Unternehmer spüren das unmittelbar: Die Vorschriftenflut wächst, und mit ihr werden in deutschen Unternehmen notgedrungen auch die Verwaltungs- und Stabsabteilungen immer größer. Im Mai 2024 waren allein auf Bundesebene 1.797 Gesetze mit 52.401 Einzelnormen sowie 2.866 Rechtsverordnungen mit 44.475 Einzelnormen gültig. Hinzu kommen Regelungen der Bundesländer, Kommunen und völkerrechtliche Vereinbarungen. Zusätzlich hatte die EU 2011 schon etwa 32.000 Rechtsakte. Trotz aller Versprechungen um Bürokratieabbau stellte die EU 2025 mit 1.456 neuen Rechtsakten wieder einmal einen neuen Rekord auf.
Ein Blick nach Skandinavien ist dabei aufschlussreich: Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind zwar viele Abläufe dort ähnlich bürokratisch wie in Deutschland gestaltet, die Wirtschaft wird dort aber viel weniger eingeschränkt. Der Grund: Die Verwaltung ist dort besser digitalisiert und sieht sich vor allem als Partner und Dienstleister der Bürger und Unternehmen. So besorgt sich die Verwaltung dort selbst viele Unterlagen von anderen Behörden und setzt viele neue Vorschriften selbst um. Der Staat als Partner und Ermöglicher von unternehmerischem Handeln – genau da müssten wir in Deutschland hin. Der Mittelstand reagiert auf die deutsche Bürokratie, indem er weiter investiert – aber eben außerhalb Deutschlands. Laut KfW sank die Zahl der deutschen mittelständischen Betriebe mit Auslandsaktivitäten von 880 000 im Jahr 2022 auf aktuell nur noch rund 600.000. Nicht etwa weil sie ihre Auslandsexpansion aufgeben, sondern weil sie sich mit dem Hauptstandort aus Deutschland zurückziehen, um nicht im Bürokratiewust zu ersticken.