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WELT IM BLICK

Schweiz

Trotz der globalen Unsicherheiten bleibt die Schweiz lukrativ und bietet gute Wachstumsaussichten

Ein Beitrag von Ronny Stagen, Senior-Analyst bei Azemos in Deutschland.


Ob es die Punkte Tourismus, Inflation oder gar die Energiegewinnung betrifft: Die Schweiz hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie zu den Ländern mit den attraktivsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zählt. Und auch für die Zu-kunft sind die Wachstumsaussichten exzellent.

Die Schweiz ist wegen ihrer kulturellen, geographischen und sprachlichen Vielfalt ein beliebtes Reiseziel. Selbst zu Coronazeiten verzeichneten Schweizer Hotels starke Übernachtungszahlen. Natürlich musste auch das Schweizer Hotel- und Gastgewerbe Einbußen hinnehmen. Allerdings erholt sich die Schweizer Volkswirtschaft wegen ihrer bewährten Anpassungsfähigkeit in Krisen deutlich schneller als Länder mit starren Strukturen. So hat die Schweiz die Finanzkrise sowie den Franken-Schock von 2015 fantastisch gemeistert. Damals hatte die Schweizer Nationalbank den Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken zum Euro aufgehoben, was zu einer Aufwertung der Schweizer Währung quasi über Nacht führte und viele Investoren stark verunsicherte. Nun, über sieben Jahre nach dem Frankenschock, kann man jedoch sehen, dass die großen Befürchtungen wie Massenarbeitslosigkeit, Deflation, Rezession und Absatzkrise keine übergeordnete Rolle mehr spielen. Der Schweizer Exportwirtschaft ist es in den zurückliegenden Jahren gelungen eine starke Widerstandskraft, trotz, oder gerade, wegen der Franken-Aufwertung, zu entwickeln.

Tourismus

Ein wichtiger Wirtschaftszweig der Schweiz ist der Tourismus. Bis vor der Corona-Pandemie stieg der Tourismus stetig an. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nahmen die Umsätze des Tourismus laut Länderdaten einen Anteil von 2,9 % des Bruttoinlandproduktes ein. Im Jahr 2020 brach der Umsatz mit Touristen aufgrund der Corona-Pandemie ein. Von 18,99 Milliarden Euro (2019) blieben nur noch 8,75 Milliarden Euro übrig. Der Schweizer Dachverband für Hotel und Gastronomie erwartet spätestens für die Saison 2024/25 wieder einen Branchenumsatz auf Vor-Coronaniveau. Nach aktuellen Prognosen sollen die Erlöse bis 2028 um ca. 50 Prozent steigen.

Schweizer Qualität

Die Wirtschaft der Schweiz ist wie auch die deutsche Wirtschaft eher exportorientiert. Sie zählt zu den wettbewerbsfähigsten der Welt. Der Schweizer Außenhandel hat 2022 neue Höchststände gesehen. Sowohl die Exporte als auch die Importe erreichten Rekordwerte, wobei die Einfuhren deutlich stärker zulegten. Die Schweizer Uhrenhersteller, die sich vor allem über ihre Qualität und als Statussymbol differenzieren, haben im letzten Jahr in Franken gemessen so viele Uhren wie noch nie ins Ausland exportiert. Stark nachgefragt wurden die Zeitmesser im mittlerweile größten Absatzmarkt USA, während Lockdowns das Geschäft in China belasteten. Seit jeher verfügen die Uhren aus der Schweiz über höchste Qualität. Noch heute sind sie geprägt von Präzision, zeitlosem oder sportlichen Design bis hin zum edlen Accessoire mit technischer Raffinesse. Dahinter verbergen sich international bekannte Marken wie Omega, Tissot (Swatch Konzern) oder Rolex.Weltweit belegt die Schweiz 2021 laut IWF (Internationaler Währungsfonds) mit 92.249 US-Dollar beim Pro-Kopf-Einkommen den dritten Platz. Direkt hinter Irland mit 100.129 US-Dollar auf dem zweiten Platz und Luxemburg mit 136.701 US-Dollar auf dem ersten Platz. Deutschland liegt mit 51.238 US-Dollar abgeschlagen auf dem 18. Platz. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit ging es laut World Competitivness Rankings des International Institute for Management Development (IMD) Lausanne für die Schweiz stetig aufwärts. 2018 noch auf dem fünften Platz, 2019 schon auf Platz vier und 2020 auf Platz drei. 2021 gelang es der Schweiz dann seit 1989 erstmals den ersten Platz zu erklimmen.

2022 mussten sie sich allerdings von Dänemark auf den zweiten Platz verdrängen lassen. Hier kann man eindeutig sehen, dass sich die Schweiz durch ihre Agilität, Reaktivität und Resilienz recht gut gehalten hat. Trotz der pandemiebedingten Herausforderungen konnte die Schweiz ihre Wirtschaftsaktivität auf einem hohen Niveau halten.
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Wachstum statt Rezession

Schweiz ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem in diesem Jahr keine Rezession erwartet wird. Auch die Inflation stellt keine größere Gefahr dar. Dies hängt mit dem starken Franken zusammen. Der Franken hat sich in den letzten Jahren, als einer der stabilsten Währungen der Welt erwiesen. Er ist wegen seiner Stabilität und Sicherheit bei Anlegern und Investoren sehr begehrt. Gerade bei wirtschaftlicher Unsicherheit wird der Franken als ein sicherer Hafen wahrgenommen.

Während der Corona-Pandemie hat der Franken fast schon unbemerkt an Stärke gewonnen, was auf die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und die Unruhe an den Finanzmärkten zurückzuführen ist. Auch politische Entwicklungen wie der Brexit und die Handelskonflikte zwischen den USA und China haben zur Stärkung des Franken beigetragen. Ein starker Franken führt zwar einerseits dazu, dass Schweizer Exporte ins Ausland teurer werden, andererseits können Schweizer Unternehmen im Ausland günstiger einkaufen. Der Schweizer Franken wird wohl in Zukunft auch weiterhin eine Rolle als sicherer Hafen einnehmen.

Unabhängige Energieversorgung

Ein weiterer Faktor, wieso sich die Schweizer Wirtschaft gut entwickeln kann, ist die autarke Energieversorgung und die Unabhängigkeit von den Öl- und Gasmärkten. 2020 stammte der Strom aus Schweizer Steckdosen zu rund 76 Prozent aus erneuerbaren Energien, zu 66 Prozent aus Wasserkraft und zu rund 10 Prozent aus Photovoltaik, Wind und Biomasse. 20 Prozent stammten aus Kernenergie und knapp 2 Prozent aus fossilen Energieträgern.

Da die Schweiz den Großteil ihres benötigten Stroms aus heimischen erneuerbaren Energiequellen erzeugt, ist sie vom globalen Inflationstreiber Energie zum großen Teil geschützt.

Trotz Hindernissen gute Aussichten für die Schweizer Börse

Die Schweizer Unternehmen werden im Jahr 2023 wohl mindestens das Gewinnniveau aus dem Vorjahr erreichen, oder sogar überschreiten, sagen die Experten. Diese stehen vor allem deshalb gut da, weil sie aufgrund ihrer hohen Flexibilität und Innovationskraft meist zu den internationalen Marktführern gehören. Schweizer Unternehmen waren schon immer dazu gezwungen, global zu agieren, da der Schweizer Heimatmarkt sehr klein ist. Deutsche Anleger können Schweizer Aktien seit 2019 nur mit Einschränkungen kaufen. Wie sehen diese Einschränkungen aus?

Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, gibt es zwischen der Schweiz und der EU-Börsenaufsichtsbehörden keinen direkten regulatorischen Austausch. Die Schweizer Regierung hat jedoch eine sogenannte Börsenäquivalenzregelung mit der EU ausgehandelt, die den Zugang von Schweizer Unternehmen zum europäischen Markt erleichtert. Die Börsenäquivalenz bezieht sich auf die gegenseitige Anerkennung von Börsenregulierungen und -standards zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. 2019 wurde die Börsenäquivalenz aber nicht verlängert. Dadurch können deutsche Banken für ihre Kunden keine Schweizer Aktien mehr handeln. Der direkte Handel von Schweizer Aktien in Deutschland ist nicht mehr möglich. Alle, die befürchten, sie könnten keine Schweizer Aktien mehr handeln, können aber aufatmen. Über die Börse Zürich sind sie weiterhin handelbar. Allerdings muss sich der Anleger auf höhere Gebühren einstellen. Vor allem bei kleineren Investments kann dies belastend sein.

Zweitens sollte auch das Währungsrisiko im Auge behalten werden, da die Aktien nur in Franken gekauft werden können. Wertet der Franken gegenüber dem Euro ab, verliert der Anleger. Wertet allerdings der Franken gegenüber dem Euro auf, gewinnt der Anleger wieder. Heißt: investiert der Anleger in der Schweiz, muss das Unternehmen und der Währungsverlauf betrachtet werden. Anleger können also Schweizer Aktien weiter handeln, es ändert sich nur der Ort und es fallen in der Regel höhere Kosten an. Alles in allem gibt es noch gute Möglichkeiten in Schweizer Aktien zu investieren. Es ist nur die Frage wie. Gute Aussichten bietet die Schweiz alle mal.

Ein professionell gekleideter Mann in Anzug und weißem Hemd, der die konservative und verantwortungsvolle Vermögensverwaltung von Azemos, einer bankenunabhängigen Vermögensverwaltung aus Offenburg, repräsentiert. Es ist der Analyst Ronny Stagen.

Ronny Stagen 


Senior-Analyst


Ronny Stagen erwarb seine erste Aktie im Alter von 16 Jahren und ist seitdem mit dem Börsenvirus infiziert. Sein Weg führte über ein Studium der Internationalen Volkswirtschaftslehre, dem Führungkräfte-Nachwuchs-Programm der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, sowie einem Stipendium des russischen Außenministeriums in Moskau. Seit 2008 ist er hauptberuflich “Perlentaucher” im Meer der globalen Aktienmärkte und passionierter Anhänger der„Österreichischen Schule der Nationalökonomie“.

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