Wachstum statt Rezession
Schweiz ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem in diesem Jahr keine Rezession erwartet wird. Auch die Inflation stellt keine größere Gefahr dar. Dies hängt mit dem starken Franken zusammen. Der Franken hat sich in den letzten Jahren, als einer der stabilsten Währungen der Welt erwiesen. Er ist wegen seiner Stabilität und Sicherheit bei Anlegern und Investoren sehr begehrt. Gerade bei wirtschaftlicher Unsicherheit wird der Franken als ein sicherer Hafen wahrgenommen.
Während der Corona-Pandemie hat der Franken fast schon unbemerkt an Stärke gewonnen, was auf die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und die Unruhe an den Finanzmärkten zurückzuführen ist. Auch politische Entwicklungen wie der Brexit und die Handelskonflikte zwischen den USA und China haben zur Stärkung des Franken beigetragen. Ein starker Franken führt zwar einerseits dazu, dass Schweizer Exporte ins Ausland teurer werden, andererseits können Schweizer Unternehmen im Ausland günstiger einkaufen. Der Schweizer Franken wird wohl in Zukunft auch weiterhin eine Rolle als sicherer Hafen einnehmen.
Unabhängige Energieversorgung
Ein weiterer Faktor, wieso sich die Schweizer Wirtschaft gut entwickeln kann, ist die autarke Energieversorgung und die Unabhängigkeit von den Öl- und Gasmärkten. 2020 stammte der Strom aus Schweizer Steckdosen zu rund 76 Prozent aus erneuerbaren Energien, zu 66 Prozent aus Wasserkraft und zu rund 10 Prozent aus Photovoltaik, Wind und Biomasse. 20 Prozent stammten aus Kernenergie und knapp 2 Prozent aus fossilen Energieträgern.
Da die Schweiz den Großteil ihres benötigten Stroms aus heimischen erneuerbaren Energiequellen erzeugt, ist sie vom globalen Inflationstreiber Energie zum großen Teil geschützt.
Trotz Hindernissen gute Aussichten für die Schweizer Börse
Die Schweizer Unternehmen werden im Jahr 2023 wohl mindestens das Gewinnniveau aus dem Vorjahr erreichen, oder sogar überschreiten, sagen die Experten. Diese stehen vor allem deshalb gut da, weil sie aufgrund ihrer hohen Flexibilität und Innovationskraft meist zu den internationalen Marktführern gehören. Schweizer Unternehmen waren schon immer dazu gezwungen, global zu agieren, da der Schweizer Heimatmarkt sehr klein ist. Deutsche Anleger können Schweizer Aktien seit 2019 nur mit Einschränkungen kaufen. Wie sehen diese Einschränkungen aus?
Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, gibt es zwischen der Schweiz und der EU-Börsenaufsichtsbehörden keinen direkten regulatorischen Austausch. Die Schweizer Regierung hat jedoch eine sogenannte Börsenäquivalenzregelung mit der EU ausgehandelt, die den Zugang von Schweizer Unternehmen zum europäischen Markt erleichtert. Die Börsenäquivalenz bezieht sich auf die gegenseitige Anerkennung von Börsenregulierungen und -standards zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. 2019 wurde die Börsenäquivalenz aber nicht verlängert. Dadurch können deutsche Banken für ihre Kunden keine Schweizer Aktien mehr handeln. Der direkte Handel von Schweizer Aktien in Deutschland ist nicht mehr möglich. Alle, die befürchten, sie könnten keine Schweizer Aktien mehr handeln, können aber aufatmen. Über die Börse Zürich sind sie weiterhin handelbar. Allerdings muss sich der Anleger auf höhere Gebühren einstellen. Vor allem bei kleineren Investments kann dies belastend sein.
Zweitens sollte auch das Währungsrisiko im Auge behalten werden, da die Aktien nur in Franken gekauft werden können. Wertet der Franken gegenüber dem Euro ab, verliert der Anleger. Wertet allerdings der Franken gegenüber dem Euro auf, gewinnt der Anleger wieder. Heißt: investiert der Anleger in der Schweiz, muss das Unternehmen und der Währungsverlauf betrachtet werden. Anleger können also Schweizer Aktien weiter handeln, es ändert sich nur der Ort und es fallen in der Regel höhere Kosten an. Alles in allem gibt es noch gute Möglichkeiten in Schweizer Aktien zu investieren. Es ist nur die Frage wie. Gute Aussichten bietet die Schweiz alle mal.