Jürgen Kientz
Jürgen Kientz ist Vermögensverwalter und Analyst bei uns. In seinen Buchempfehlungen stellt er ausgewählte Titel vor und ordnet ein, welche Gedanken und Perspektiven sie besonders lesenswert machen.
BUCHEMPFEHLUNG
Buchautor: Javier Milei
„Das Haushaltsgleichgewicht darf nicht durch die Anstrengungen des Privatsektors erreicht werden, es muss durch die Anstrengungen der Politik er- bracht werden. Dieses Mal muss die Politik für die Anpassung zahlen!“
Dieses Zitat aus Mileis Buch trifft haargenau den Nerv einer Zeit, in der die Debatte über ausufernde Staatsausgaben, über eine immerzu lähmende Bürokratie und die stetig wachsen- de Belastung für die Gesellschaften in der westlichen Hemi- sphäre – und insbesondere in Deutschland – immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Doch wer ist dieser Mann, der im Superman-Kostüm Fern- sehstudios dominiert, mit der Kettensäge Straßenwahlkampf macht, im Ledermantel Rockhymnen singt oder wütend Organigramme von Whiteboards reißt? Heute weiß das nahe- zu jedes Kind, doch im Jahr 2022, als sein Buch, das ich Ihnen heute vorstelle, erstmals unter dem Namen „El camino del libertario“ erschien, wusste das nur eine kleine Minderheit. Er wurde belächelt und unterschätzt.
Das Buch, das Mileis intellektuellen und politischen Werde- gang nachzeichnet, ist weit mehr als nur die Lebensgeschich- te des exzentrischen argentinischen Präsidenten. Es ist ein Buch zum Anfassen. Milei schreibt über seinen Werdegang und seinen persönlichen Paradigmenwechsel vom klassi- schen Ökonomen hin zum glühenden Verfechter der so- genannten Österreichischen Schule um Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und Murray Rothbard. Durch die schonungslose Analyse des wirtschaftlichen Verfalls in Argen- tinien – einem Land, das Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den reichsten der Welt gehörte und durch jahrzehnte- lange peronistische sowie sozialistische Eingriffe in die Armut getrieben wurde – gelangt er zur festen Überzeugung, dass der Staat fast nie die Lösung, sondern meist die Ursache des Problems ist.Besondere Aufmerksamkeit widmet er in seinem Buch der Inflation. Er verurteilt sie scharf als eine zutiefst unmoralische, unsichtbare Steuer, die die schwächsten und verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft am härtesten bestraft. Mileis rhetorische Speerspitze richtet sich konsequent gegen die politische „Kaste“, die sich seiner Analyse nach auf Kosten der produktiven Bürger bereichert und den Staat als Selbst- bedienungsladen nutzt. Im weiteren Verlauf des Buches lässt Milei Weggefährten zu Wort kommen, packt eine Auswahl von Reden aus seiner Anfangszeit als Politiker sowie eine Auswahl aus seinen Debatten über die Wirtschaftspolitik mit ein. Immer wieder trägt er dazu bei, die Ideen der Freiheit zu verbreiten. Er zeigt, wie es ihm gelungen ist, unter seinen Landsleuten die Hoffnung auf Freiheit zu entfachen.
Was aber bedeutet diese Freiheit konkret?
Milei zitiert in seinem Werk immer wieder seinen Mentor Alberto Benegas Lynch, dessen Definition für ihn zum zen- tralen Lebensmotto geworden ist: „Der Liberalismus ist der uneingeschränkte Respekt für das Lebensprojekt des Mitmen- schen, basierend auf dem Prinzip der Nicht-Aggression und in Verteidigung des Rechts auf Leben, Freiheit und Eigentum.“ Diese tiefe, moralische Überzeugung zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es geht nicht um kühle Wirtschafts- mathematik, sondern um die Würde des Individuums, das sein Schicksal selbst in die Hand nimmt – völlig frei von staat- licher Bevormundung.
Fazit:
Das Fazit kann nur lauten: Mehr Milei wagen! Das Buchist meines Erachtens keine klassische Autobiografie, son- dern sein persönliches Parteiprogramm mit ausführlichem Lebenslauf. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit dem Etatismus und ein leidenschaftliches Plädoyer für die radikale wirtschaftliche Freiheit.
Wie das Eingangszitat mahnt, muss eine echte Konsolidie- rung der Staatsfinanzen beim Staatsapparat selbst ansetzen. Der Autor hat seinem Buch Taten folgen lassen. Mileis Para- digmenwechsel ist keine bloße Rhetorik, sondern eine histo- rische Realität, die uns Hoffnung für die Zukunft geben sollte. Ideen bewegen die Welt, nicht umgekehrt. Viva la libertad, carajo!
Über den Autor:
Javier Milei, 1970 in einer einfachen Mittelschichtsfamilie geboren, ist ein argentinischer Ökonom. Milei erlangte zunächst durch seine unkonventionellen, provokanten Auftritte als Fernseh- und Radioökonom Bekanntheit und stieg in die Politik ein, wo er mit einem Überraschungssieg 2023 zum amtierenden argentinischen Präsidenten gewählt wurde und seither sein Amt mit steigender Beliebtheit in der Bevölkerung ausübt.